Das Schloss Sacrow

Das Schloss SacrowDie Ursprünge des Ortes Sacrows gehen zurück auf ein Rittergut, welches im 14. Jahrhundert erstmals im Landbuch Kaiser Karls IV erwähnt wird. Im Jahre 1764 erwirbt der Festungskommandant der Zitadelle Spandau, der schwedische Generalleutnant von der Hordt, das Gut und baut 1773 an der Stelle eines Vorgängergebäudes ein neues Herrenhaus. Entsprechend der barocken Stilkonventionen ist es streng symmetrisch mit je vier Fensterreihen beiderseits der Mittelachse angelegt. Eine Besonderheit stellt schon in der Entstehungszeit ein großes Gewächshaus dar, das direkt an den Südgiebel des Gebäudes anschließt.

1779 erwirbt Heinrich Karl de la Motte Fouqué, aus Brandenburg kommend, das Gut und mit ihm das Herrenhaus. Sein Sohn, Friedrich de la Motte Fouqué, der spätere Dichter, verlebt hier einige Jahre seiner Jugend. Wie es heißt, hat er wesentliche Inspirationen für seine »Undine« am Sacrower See erhalten.

Die Namen der Gutsbesitzer wechseln in Sacrow rasch. Unter anderem erwirbt 1816 der Berliner Bankier Magnus das Gut. Er war ein Freund der Familie Moses Mendelssohn, die er gelegentlich hier zu Gast hatte. Felix Mendelssohn-Bartholdy hat wahrscheinlich Teile seines Streichquartetts in a-moll (Op. 13) hier komponiert.

Ein entscheidendes Datum für Sacrow war das Jahr 1840, als König Friedrich-Wilhelm IV Gut und Herrenhaus erwarb. Gleichzeitig gab der den Befehl zum Bau der Heilandskirche durch seinen Architekten Persius, der auch das Herrenhaus erweitern sollte. Persius fügte am Nordgiebel einen zweistöckigen Anbau mit einem repräsentativen Eingang im italienischen Stil an. Ebenso entstand hinter dem Gewächshaus ein großes Speichergebäude. Peter Lenné legte im Auftrag des Königs den Park an, der die Kirche mit einbezog und dessen Sichtachsen den Blick freiließen auf die benachbarten Schlösser Pfaueninsel, Glienicke, Babelsberg und Cecilienhof. Seit dieser Zeit wird das Herrenhaus in Sacrow als Schloß bezeichnet, obwohl der König selbst nie darin gewohnt hat.

Aus den folgenden beinahe hundert Jahren bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten ist über Sacrow wenig bekannt. Im Jahre 1938 jedoch wird das Schloß zum Wohn- und Dienstsitz des Generalforstmeisters umgebaut. Dabei verliert es im Innern vollständig seine barocke Gestalt. Die Repräsentationsräume werden in das Erdgeschoß verlegt, während die Wohnung im Obergeschoß Platz findet. Der Dachfirst wird verlängert, um einen Teil des von Persius errichteten Anbaus am Nordflügel mit in das Gebäude einzubeziehen. Der übrige Anbau erhält anstelle des Spitzdachs eine große Dachterrasse, darunter entsteht ein Bankettsaal mit bodenlangen Fenstern. Die Nebengebäude werden entfernt, und das Adjudantenhaus sowie die Wohnungen des Chauffeurs und des Försters entstehen, ebenso eine kleine Falknerei.

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches wird das Schloß Volkseigentum und dient fortan zeitweise als Kinderheim und Schriftstellerheim für Verfolgte des Naziregimes. Mit dem Mauerbau ziehen zunächst die Nationale Volksarmee und ab 1973 die Zollbehörden der DDR im Schloß ein. Das Gewächshaus wird abgerissen, und im Park entstehen Trainingsanlagen für die Spürhunde des Zolls.

Mit der Vereinigung der beiden Deutschen Staaten kann zunächst der Verein »pro Brandenburg« von Sacrow aus Wirtschaftskontakte zwischen den sogenannten alten und neuen Ländern knüpfen. 1993 geht das Schloß in den Besitz der »Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg« über. Sofort wird damit begonnen, den Park nach den originalen Plänen Lennés wiederherzustellen und das Gebäude als Museum herzurichten.

Sehr bald aber stellt sich heraus, daß wegen der schwierigen infrastrukturellen Voraussetzungen Sacrow für eine ständige Ausstellung wenig geeignet ist. Nachdem das Dach instand gesetzt, eine Heizung installiert und die Installationen erneuert sind, werden die Arbeiten vorläufig abgebrochen, bis ein tragfähiges Nutzungskonzept erarbeitet worden ist. Im Jahre 2003 erfährt der Verein Ars Sacrow bei der SPSG Unterstützung für eine zeitweise Zwischennutzung des Schlosses als »Museum für einen Sommer«.

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